Blogparade – #Leitwölfe sein

leitwoelfe_blog_840pxDer dänische Familientherapeut Jesper Juul hat einen neuen Ratgeber geschrieben: Leitwölfe sein: Liebevolle Führung in der Familie* Weil das Thema so spannend ist, hat die Redaktion von myToys zur Blogparade aufgerufen: „Leitwolf oder Kuschelkurs – Was brauchen Kinder?“

Leitwolf mit Bauchgefühl

Ich bin nun schon seit fast fünf Jahren Mutter und habe bisher tatsächlich wenig Ratgeber gelesen. Das liegt weniger daran, dass ich mich als fehlerfreie Super-Mom sehe, sondern eher daran, dass mich diese unzählige und unterschiedliche Anzahl an Ratgebern und Meinungen, an Experten und Sachverständigen tatsächlich einfach kirre macht und mich überfordert. Dennoch begegnet man natürlich immer wieder bestimmten Namen und liest ein paar Zeilen; sucht sich das passenden raus, fühlt sich vielleicht hier und da auch bestätigt und manchmal ändert sich auch der eigene Blick auf bisher Erlebtes. Und letzten Endes haben mich meine bisherigen Erfahrung des Elternsein eines gelehrt: Vertrau auf dein Bauchgefühl!

Und sind wir doch mal ehrlich: wenn der eine knatscht, weil er nicht den grünen, sondern den roten Becher haben möchte und der andere ausflippt, weil die Nudelsoße nicht in der Mitte des Tellers gelandet ist, dann greif ich nicht erst zum Ratgeber um mal nachzulesen, was man denn jetzt so macht und wie man denn jetzt mit der Wut, dem Unverständnis, dem alles-ist-grad-doof-Gefühlt umgeht, dann geh ich nicht ein paar Schritte zurück und blicke mal kurz in meine eigene Kindheit und überlege, ob meine Eltern mich nun laut schimpfend in mein Zimmer geschickt haben, mich ignoriert oder wasauchimmer gemacht haben. Nein, dann versuche ich doch mich auch etwas in meine Kinder hineinzuversetzen, sie zu trösten, auch mal Alternativen anzubieten, Kompromisse zu schließen. Das ist auch ab und zu mal ein try-and-error, das geht mal besser, mal schlechter, mal lauter, mal leiser, aber irgendwie klappt es. Schließlich wird es immer von einem begleitet: der Liebe zu meinen Kindern und der bewussten Verantwortung ihnen gegenüber.

Ob das nun schon Kuschelkurs ist oder nicht, ist mir ziemlich egal. Nicht egal sind mir tatsächlich ein paar Regeln in unser Familie und die bestimmen ganz klar mein Mann und ich als – verantwortliche – Eltern. Da kann man mich, da kann man uns auch gern als Leitwölfe beschreiben. Dies betrifft zum Beispiel das Verhalten im Straßenverkehr und im öffentlichen Raum (nicht einfach wegrennen, nicht über Rote Ampeln gehen, etc.), aber auch das Verhalten am Tisch und natürlich stecken wir auch den Rahmen fest, welche Kleidung entsprechend der Wetterlage angezogen wird und was wann und in welcher Menge auf dem Tisch und schließlich – hoffentlich – im Magen landet. Letztendlich halten wir uns aber alle daran: denn was bringt es, wenn wir ständig predigen, dass man nur bei grüner Ampel über die Straße gehen soll, wir uns aber selbst nicht daran halten – und sei es nur um noch die Straßenbahn zu schaffen.

Und in genau dieser „Führung“ wie sie auch Juul nennt, können sich unsere Kinder sicher sein. Sie können sich auf Beständigkeit und Kontinuität verlassen. Sie können sich darauf verlassen, dass wir morgens A sagen und das das abends immer noch ein A ist. Vielleicht mal ein A+ oder ein A-, vielleicht gibt es auch mal eine nachvollziehbare Ausnahme, aber es gibt nie ein Z.

„Um fruchtbare und tragfähige Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern aufzubauen, müssen die Erwachsenen die Führung übernehmen.“ (S. 22)

Was brauchen Kinder? 

Unsere Art und Weise der Beziehung zu unseren Kindern ist natürlich auch geprägt von den Wünschen, welche Hoffnungen und Wünsche wir für das Leben unserer Kinder haben.

Auf Juuls Frage:  „Wollen wir wirklich starke und gesunde Kinder?“ (S. 113) kann ich mit einem klaren Ja antworten und ich stimme ihm auch völlig zu, wenn er später schreibt: „Ein starkes Kind ist ein gesundes Kind mit einem gesunden Selbstwertgefühl, der Fähigkeit zur Empathie, einem soliden Selbstvertrauen und einer gut entwickelten Reihe psychosozialer Fähigkeiten – ein Mensch, der sich der Liebe würdig fühlt, der selbstbewusst ist, ungezwungen mit anderen umgehen kann und der sich seiner Abhängigkeit von und Verbundenheit mit allen anderen Menschen bewusst ist.“ (S. 171)

Und der Weg dahin? Wird sicherlich nicht immer geradeaus führen, wahrscheinlich werden wir auch mal stolpern, stürzen und hinfallen. Aber wir werden wieder aufstehen. Schwere Stürze werden wir zum Anlass nehmen mal etwas inne zu halten und ein paar Schritte zurück gehen. Ein Blick auf eine Karte kann sicherlich nicht schaden, auch andere nach dem Weg fragen ist nie falsch. Unser Tempo wird hoffentlich nicht zu schnell werden, sonst übersieht und verpasst man zu viel. Begleitet werden wir immer von unserem inneren Kompass, unserem Bauchgefühl.

Wer mehr über zum Thema #Leitwölfe erfahren möchte, dem sei der Blick in Jesper Juuls Ratgeber Leitwölfe sein: Liebevolle Führung in der Familie empfohlen. Im Rahmen der Blogparade wurde mit das Buch von der Verlagsgruppe Beltz zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle.

*Dieser Beitrag enthält einen Affiliate Link vom Amazon Partner Programm.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank für Deinen schönen Beitrag. Wir haben uns sehr gefreut, dass du mitgemacht hast und wünschen Dir natürlich ganz viel Erefolg auf dem sicher nicht immer geraden Weg der Kindeserziehung.

    Liebe Grüße
    Anja
    aus der myToys-Redaktion

Schreibe einen Kommentar