Stadt, Land, Stadtrand – Wo wollen wir leben? 

Wie und wo als Familie leben

Stadt, Land, Stadtrand – Wo wollen wir leben? 

Seit Wochen, eigentlich schon Monaten beschäftigt mich diese Frage: Wo wollen wir mit unseren Kindern leben. In der Stadt, auf dem Land oder doch lieber dazwischen – am Stadtrand?

Aktuell leben wir in der Stadt. Relativ zentral, mit kurzen Wegen zur KiTa, Schule und ins Büro. Alles ist mit dem Rad oder den öffentlichen Verkehrsmittel erreichbar. Wir müssen uns nicht mit dem Auto durch den dicken Verkehr kämpfen, wir haben ja auch keins.

Das ist so alles schön und gut. Ich bin ja auch selbst in der Stadt aufgewachsen. Allerdings ist das Leipzig aus meiner Kindheit natürlich nicht mehr mit dem heutigen Leipzig zu vergleichen. Die Straßen auf denen ich stundenlang spielte, sind heute voller Autos. Die Höfe in denen ich mit Kindern aus der Nachbarschaft herumstreunerte, gibt es nicht mehr; oft mussten sie Parkflächen weichen oder sind nun engmaschig umzäunt. Die Stadt ist aber auch bunter und vielfältiger geworden. Wenn auch noch nicht ganz so bunt wie ich es aus Hamburg oder Berlin kenne. Aber es wird.

Es wird aber auch voller. Die Stadt wächst und wächst und mit ihr wachsen die Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche. Das ist noch nicht alles vergleichbar mit anderen deutschen Großstädten. Aber es wird gerade für Familien schwieriger.

Und nun fragen wir uns: wohin?

In der Stadt bleiben

Hier bleiben und es würde sich nicht viel ändern. Weiterhin recht kurze Wege und alles direkt vor Ort. Allerdings auch pickepackevolle Schulklassen, Lehrermangel Lehrernot und rare Kindergartenplätze. Zunehmender Straßenverkehr und eine sich verdichtende Stadt. Wieviel Grün kann da noch bleiben? Welcher Spielplatz muss dann doch weichen? Und ach, das Leid mit den Spielplätzen: oft kaputt, vermüllt und trostlos.

Und hier in der Stadt ist ja unser Dorf, das uns unterstützt und hilft beim Thema Vereinbarkeit.  Woanders müssten wir uns das erst wieder aufbauen. Ob das immer so gut möglich ist?

Und hier in der Stadt da ist auch diese wunderbare Vielfalt! Diese Vielfalt an Menschen, an Farben, an Ländern und Herkünften – diese unterschiedlichen Leben, Kulturen, Religionen und Erfahrungen möchte ich nicht missen. Und meine Kindern sollen sie auch weiterhin kennen- und schätzen lernen. All das trägt doch dazu bei, dass sie zu offenen, neugierigen und vorurteilsfreien Erwachsenen werden können?

Oder ab aufs Land?

Aber zur Vielfalt gehören eben auch Menschen und Situationen, die meine Kinder (noch) nicht kennenlernen soll(t)en. Die sind aber auch da: in der Straßenbahn morgens, auf dem Spielplatz oder eben im Haus nebenan. Das häufige „Hab acht!“ strengt an, dann wünschte ich mir mehr Büllerbü. Dann nervt der Krach, der Trubel und der Gestank. Dann wird die Sehnsucht nach mehr Platz und nach mehr Grün sehr groß. Preiswertes Eigentum und günstige Mieten locken ebenfalls. Man kommt ins Träumen: ein großer Garten hinterm Haus, der sogar Platz für einen Pool und ein Trampolin böte. Endlich den Wunsch der Kinder nach einem Baumhaus erfüllen können.

Und ein Katzensprung und man wäre im Wald, in der Natur, vielleicht auch am See. Ein Katzensprung würde uns vielleicht auch in den Kindergarten bringen, eventuell noch in die Grundschule, der Bus dann in die Weiterführende. Doch ins Büro braucht es mehr: mit Glück fährt die S-Bahn (aller 30 Minuten) in die Stadt. Häufig fährt auch gar nix. Die Bahn nachmittags zu verpassen, bedeutet allerdings auch weniger Zeit mit den Kindern, mehr Gehetze oder eben doch wieder ein Auto, vielleicht auch zwei. Aber wie soll das einigermaßen entspannt funktionieren, wenn dann beide in die Stadt pendeln müssen? Was ist mit Musik, Sport oder ähnlichen Hobbys der Kinder? Wie ist mit der ärztlichen Versorgung auf dem Land? Und wie ist es mit den möglichen Nachbarn? Leider verrät ein Blick auf die Wahlergebnisse im Leipziger Umland an einigen Ecken nichts Gutes: Da ist Vielfalt, ein farbenfrohes und offenes Miteinander nicht gewünscht.

Dazwischen im Stadtrand

Dann eben den Kompromiss suchen: ab in den Stadtrand. Dieser ist mal mehr, mal weniger gut an die Stadt angebunden. Dann ab mit den Rädern in den Kellern und doch wieder ein eigenes Auto vors Haus. Unsere Flexibilität und Freiheit mit Car-Sharing und Co. wäre auch hier nicht mehr möglich.

Und auch am Stadtrand gibt es mal gibt es mehr, mal weniger Platz. Was nützt dann dort ein eigenes Haus, wenn mir der Nachbar dann doch ständig auf den Tisch gucken kann? Wieviel Quadratmeter Grundstück können einen längeren Fahrtweg in die Stadt aufwiegen? Und wieviel Quadratmeter Haus und Grundstück können (und wollen) wir uns überhaupt leisten?

Und so stellt sich nun neben der Frage nach dem WO, auch die Frage nach dem WIE? Wieviel Platz benötigen wir überhaupt? Wieviel weniger ist unter Umständen mehr? Wie oft nutzen wir das mal eben schnell oder alles im Viertel überhaupt und könnten wir darauf verzichten? Und wie wollen wir als Familie leben? Und wie können wir den passenden Platz zum leben finden?

 

Wie ist das bei euch? Habt ihr ihn schon gefunden?

 

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