Wir haben gar kein Auto

Den Kleinen auf dem Fahrradsitz hinter mir fahre ich nach Hause, er ruft bei jedem roten Auto „Teilauto“ und ich grinse in mich hinein. Zu Hause empfängt uns der Große und fragt mit welchem Auto wir denn nun in den Urlaub fahren. „Mit einem Großen“ antwortet mein Mann und macht sich auf den Weg es abzuholen.

Wir haben kein Auto und das nicht erst seit gestern, sondern jetzt schon knapp fünf Jahre. Nachdem es eigentlich die ganze Woche nur im Hof stand, haben wir uns nach etwas Überlegen und Rechnen von ihm getrennt. Selten vermissen wir mal ein eigenes Auto, nutzen doch gerne die geliehenen. Regelmäßig ruft dieser Umstand großes Erstaunen und Unverständnis bei unseren Gegenübern hervor. Wir werden gefragt wie wir das denn mit den Einkäufen und den Kindern und so machen. Gern verweisen wir dann auf unsere Füße, die Fahrräder und den öffentlichen Personennahverkehr. Und wenn wir dann doch mal ein Auto benötigen, dann nutzen wir eben die örtlichen Carsharing Angebote (die roten Autos!) oder gehen direkt zu einem Autovermieter (die häufig gar nicht so teuer sind). Zudem haben wir hier in der Stadt meisten kurze Wege und mit dem Auto wären wir nur unwesentlich schneller, aber oftmals genervter und die Parkplatzsuche wird auch in Leipzig zunehmend schwieriger.

Wir genießen und schätzen diese Freiheit – die es so für uns tatsächlich bedeutet – sehr. Immer das passende Auto für die jeweilige Unternehmung bzw. den Anlass: mit den Kindern auf Reise die geräumige Familienkutsche; in der Stadt der kleine Flitzer. Keine Sorge um Werkstattkosten, Reifenwechsel oder TÜV.

Ich liebe es mit dem Rad morgens durch den Auenwald, statt durch die Blechlawine zu fahren. In der Straßenbahn kann ich die Zeit dazu nutzen die Gedanken noch etwas schweifen zu lassen und eben nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen zu müssen  – das wird dann höchsten mal durch die meine Mitfahrer und der Ausdünstungen gestört und dann, ja dann würde ich auch gern im eigenen Auto sitzen.

Und wie ist das bei Euch?

4 Comments
  • Anja

    14. Oktober 2016 at 09:09 Antworten

    Wir leben als Familie seit gut 1,5 Jahren ohne Auto in Dresden. Und ich unterschreibe Deinen Eintrag in jeder Hinsicht. Gerade die Flexibilität jederzeit das passende Fahrzeug zur Verfügung zu haben, schätzen wir sehr.

  • Herr Pfarrfrau

    2. November 2016 at 18:30 Antworten

    Während wir in Berlin lebten hatten wir kein Auto. Die wenigen Male, die wir eins brauchten, haben wir es von meiner Schwiegermutter geliehen. Jetzt, auf dem Lande lebend, brauchen wir es leider viel mehr und merken immer wieder, warum wir so lange kein Auto haben wollten: all die vorhersehbaren und vor allem unvorhersehbaren Kosten! Erst im Sommer gab es eine sehr teure Reparatur. Direkt vor dem Urlaub. Auf sowas will ich lieber heute als morgen verzichten. In Berlin klappte der Alltag problemlos ohne Auto. Einkaufen konnten wir problemlos alles in unserem Kiez. Jetzt muss ich immer raus auf die grüne Wiese fahren, weil die Haupteinkaufsstraße unserer Kleinstadt total verwaist ist.

  • Florian

    23. März 2017 at 13:13 Antworten

    Hallo Stefanie,

    ich weiß, der Beitrag ist schon eine Weile alt, aber ich bin gerade auf das Bild mit eurem Teilauto Bobbycar gestoßen, und wollte mal fragen, wo ihr die Klebefolien dafür her habt.
    Ich würde unseres nämlcih gern auch so aufwerten, um klarzustellen, dass es kein „Parkauto“ ist. (Bezeichnung unserer Tochter für nicht-geteilte Autos 🙂 )

    Schöne Grüße
    Florian

    • stefanie

      23. März 2017 at 15:39 Antworten

      Hallo Florian, das ist ja auch ne schöne Bezeichnung! 😄 Die Folien haben wir direkt von TeilAuto bekommen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es die so direkt gibt – aber frag doch einfach mal freundlich nach! Viele Grüße, Stefanie

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